01.04.2026 – Einen Monat nach Arno Müllers Ankündigung, die Morgenshow abzugeben und 104.6 RTL zu verlassen, gab es auf der anderen Seite der Erde einen Riesenknall, der nun ebenfalls einen Relaunch am Morgen notwendig macht: Die legendäre „The Kyle and Jackie O Show“ von KIIS FM in Sydney wurde nach einem On-Air-Streit abgesetzt.
Viele von uns sind gespannt, wer nach so vielen Jahren in diese jeweils riesigen Fußstapfen treten wird.
Professionelle Sender (und natürlich gehören die beiden oben genannten dazu) haben einen klaren Plan für den Launch einer neuen Morning-Show und betreiben diesen Prozess als strategischen Markenaufbau.
Wenn du also mal in die Situation kommen solltest, den Launch einer neuen Morgensendung zu verantworten, hier 9 Schritte auf dem Weg zu einem erfolgreichen neuen Morgen.
1. Die Zielgruppe
Wen soll diese Show erreichen?
Damit meine ich NICHT den Klassiker „Stadtbewohner zwischen 25 und 45“, sondern einen Blick auf kompatible Milieus mit ähnlichen Interessen, Tagesabläufen und „Pain Points“.
Also z. B. ein Fokus auf mittlere und moderne Sinus-Milieus:
berufstätige Großstädter, die Job, Familie und Freizeit unter einen Hut bringen, digital affin, aber nicht „nerdig“ sind und morgens positiv in den Tag begleitet werden wollen.
Ich bin ein großer Fan der Sinus-Milieus, da diese uns aus der Medienmacher-Blase rausholen und zeigen, worum es den Menschen wirklich geht.
Die meisten gut programmierten Sender haben eine klare Ballung in einem bestimmten Milieu-Bereich. Aus den vorrangig erreichten Milieus ergeben sich die Eckdaten für die ideale Besetzung.
2. Strategie und die Werte des Senders
Was ist das emotionale Ziel der Show?
- Entspannte Begleitung der Hörer?
- Oder Entlastung von den Sorgen des Alltags mit Spaß und Entertainment?
- Oder etwas ganz anders?
Was sind die Werte des Senders und wie wollen wir diese am Morgen repräsentieren?
Wie kann sich die neue Show von anderen Shows im Markt unterscheiden?
Und: Welche Besetzung passt dazu?
Anchor, Co-Host, Provokateur? Oder eher ein klassisches Duo?
Welche Art von Content und Ansprechhaltung passen zu unserem emotionalen Ziel und welche Art von Stars am Morgen braucht es dafür?
Dabei auf Unterschiede in den Charakteren zu achten, ist natürlich selbstverständlich: Zwei Hosts mit identischem Lebensmodell bringen oft ähnliche Perspektiven mit – Spannung entsteht aber durch unterschiedliche Blickwinkel.
Ein wunderbares Beispiel für funktionierende Unterschiede in den Charakteren ist „Around the Room“ bei „Elvis Duran and the Morning Show“:
Themen aus dem täglichen Leben, die durch unterschiedliche Charaktere unterschiedliche Sichtweisen auf die jeweiligen Inhalte haben.
3. Die neuen Hosts – und jetzt?
Damit eine (deutsche) Unart ausgeschlossen werden kann – nämlich „zwei Menschen lesen abwechselnd Texte vor“ – muss zunächst definiert werden, wer wie zu den wichtigen Themen des Lebens steht und welche Charaktermerkmale die einzelnen Hosts auszeichnen.
Danach sollten Themenkompetenzen erarbeitet werden, damit vor allem am Anfang klar ist:
Wer macht was – und warum? Wichtige Themen wie z.B. „Familie“, „Singleleben“ oder „Popkultur“ sollten klar zuordenbar sein. So bekommen neue Hosts schneller ein Profil.
Ebenso wichtig: Das Verhältnis der Protagonisten untereinander. Wer steht wie zu wem? Daraus ergeben sich ebenfalls interessante Dynamiken.
Aus diesen ersten Überlegungen ergeben sich oft schon erste Content-Ideen – und der nächste Schritt:
4. Der Plot
Was ist der Plot der Show?
Zum Beispiel:
„Mit der Chaos-Queen und dem überorganisierten Papa durch den Großstadt-Dschungel“
oder
„Zwei beste Buddies auf der Suche nach maximalem Spaß in der großen Stadt“.
Den Plot kommunizieren wir natürlich nicht on Air, aber er hilft intern fokussiert zu bleiben und Inhalte für die Charaktere und die Show passend aufzubereiten.
Der Plot ist das Tüpfelchen auf dem i, das für Klarheit sorgt.
Idealerweise ergibt sich aus dem Plot auch eine Signature-Benchmark:
In einer älteren Version der BB-Radio-Morgenshow mit einem verheirateten Papa und einer jüngeren Single-Frau („Der Kaiser und Marlitt“) war diese Signature-Bench „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“. Themen rund um Männer und Frauen, aus Ehe und Singleleben, Dating und Partnerschafts-Streits spiegelten den Plot der Show.
In jedem Fall ergibt sich aus dem Plot ein klar umrissenes Themenfeld. Weniger ist mehr. Wenn Themenfelder klar umrissen sind, lernt der Hörer auch sehr schnell, wofür die Show steht. So paradox es klingen mag: je klarer der Kern-Content, desto erfolgreicher kann die Show werden.
Wer es allen recht machen will, steht für gar nichts und ist austauschbar.
Merke: „Für jeden etwas“ = „für niemanden relevant“.
Ein klar umrissenes Content-Gerüst hilft Hörern dabei, die Show schnell zu verstehen.
Hiermit sind die wichtigsten „Trockenübungen“ abgeschlossen!
Wie es dann weitergeht – von Übergabe des Staffelstabs bis hin zu den wichtigsten No-Gos:
Im nächsten Monat!
Bis dahin genießen wir alle hoffentlich die ersten schönen Sommertage.
Deine
Yvonne
Erschienen am 01.April 2026 auf www.radiowoche.de.

