Über sinnvolle und sinnfreie Moderationen

radioWOCHE

01.06.2016 – Natürlich ist es wichtig, dass Moderatoren den Haupteinschaltgrund eines Musiksenders – die Musik – verkaufen. Immerhin bestehen um die 80% der meistgenutzten Radioprogramme ausschließlich aus Musik. Und die meisten Hörer entscheiden sich zuerst aufgrund der Musik für einen Sender. So weit so bekannt.

„Ansagen“ kann jeder und sie sind beliebig austauschbar

Als ich kürzlich auf einer langen Auto fahrt durch Deutschland war, bin ich erschrocken. Vom öffentlich-rechtlichen Popsender bis zu einem der Vorzeige- Privatradios in Deutschland: nichts als langweilige austauschbare Musikansagen. Die Betonung liegt auf dem Wort „ANSAGEN“. Der strategische Sinn der ist Moderation natürlich, den Sender und dessen USPs zu verkaufen. Das kann man saumäßig plump machen mit drei langweiligen Hooks und immer wiederkehrenden vorhersagbaren, austauschbaren Wordings – oder man kann es so machen, dass diese Moderationen auch einen Nutzen für den Hörer (und damit einen Doppelnutzen für den Sender) haben, Emotionen transportieren und zur Hörerbindung beitragen.

Gründe für die Nutzung von Radio statt Streams oder der eigenen Playlist

Liebe Moderatoren: warum hören Menschen Radio?
Wegen der Musik. Natürlich.
Und weil sie begleitet werden wollen.
Und weil sie sich wohler fühlen, wenn die Musik nicht aus der Konserve kommt, sondern von einem echten authentischen Menschen präsentiert wird (von dem sie glauben, dass er der „Kurator“ dieser Musikauswahl ist…).
Und weil sie sich über kleine Infos, nette Unterhaltungs- Elemente, einen Schmunzler oder ein paar aufmunternde Worte freuen.
Und weil sie das Gefühl haben wollen, da ist jemand, mit dem sie sich identifizieren können, der sie versteht, der weiß, was sie heute beschäftigt.

Eine Musikansage nach dem Prinzip „gleich geht es weiter mit HOOK und HOOK und für mehr Abwechslung noch die 80er mit HOOK“ erfüllt keines dieser Hörerbedürfnisse.

Mindestanforderungen an eine Sendung (in einem Musiksender)

Folgende Punkte zu berücksichtigen, ist meiner Ansicht nach die Mindestanforderung für die Vorbereitung einer Show:

  1. Was ist die CI des Tages?
    Was zeichnet diesen Tag aus? Gibt es ein Topthema? Eine besondere Befindlichkeit?
  2. Was sind die Top Themen der Woche, worüber muss man (heute/in dieser Woche) sprechen?
  3. Was zeichnet diesen Tagesteil aus?
  4. Wie stelle ich sicher, dass diese Show nur in dieser Region stattfinden kann?

Am Ende einer jeden Sendung sollte man heraushören können, an welchem Tag, zu welchem Tagesteil und in welchem Sendegebiet diese Show stattfand. Das ist das Mindeste für einen professionellen Moderator in einem Tagesprogramm. Erst recht im Tagesprogramm eines landesweiten bzw. öffentlich-rechtlichen Senders.

Das alles geschickt in die Musicsells einzubauen hilft, einen Moderator wirklich unverzichtbar zu machen.
(Tipps und Tricks habe ich dazu bereits an anderer Stelle veröffentlicht, hier die „10 Wege zum kreativen Musicsell“ noch mal zum Download).

Austauschbarkeit vermeiden

Den Tag abbilden, die Region widerspiegeln und die Befindlichkeit des Tages aufgreifen sind Notwendigkeiten jeder Sendung eines Musikformates. Denn eines sollte keine Radiosendung sein: austauschbar.

In diesem Sinne: weiterhin viel Spaß mit dem Musiksender Ihres Vertrauens,

Ihre
Yvonne Malak

Erschienen am 01. Juni 2016 auf www.radiowoche.de.

 

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