Tricks für mehr Hörer on air

03.10.2021 – Menschen interessieren sich für Menschen!
Hörer am Telefon – echte Hörer wohlgemerkt keine gefakten – machen jede Show lebendiger, authentischer, schaffen Regionalität und können aus einem Durchschnitts-Break einen bemerkenswerten Break machen.

Doch wie bekommt man Hörer ans Telefon und on Air? Mit dem Prinzip „Sowas kommt von Sowas“.

Wann rufen Hörer an?

  • bei emotionalen Aufregern
  • bei klaren Statements,
  • bei einfachen, klaren Fragen.

Und bei ein, zwei Tricks… aber dazu weiter unten.

Zunächst gilt also: eindeutig formulieren. Gerne provozieren! Klare Statements.

Was bringt mehr Reaktionen? Das Statement: „es wäre schon schön für die Radfahrer oder auch die Anwohner, wenn die Autofahrer in der Stadt auf den Hauptverkehrsstraßen langsamer unterwegs wären“ oder das Statement „Tempo 30 in der ganzen Stadt ist eine super Idee! Für die Fußgänger, die Radfahrer, die Umwelt und die Anwohner. Ich bin dafür“.

Hörer rufen an, wenn ein Thema sie direkt trifft, also emotional berührt oder sehr aufregt. Hörer sind mit Anrufen eher zurückhaltend bei belanglosen Fragen wie „Na, wohin fahrt ihr in den Urlaub?“. Sicher wird sich auch dazu der eine oder andere melden, aber es werden nicht so viele Anrufe kommen wie bei einem polarisierenden Thema wie zum Beispiel „Leinenpflicht für alle Hunde im Park?!“.

Wenn du Hörer am Telefon haben willst und sich am Anfang kaum jemand meldet, gib nicht auf, sondern vertraue auf das Prinzip „Sowas kommt von Sowas“. Je mehr Hörer du on air sendest, desto mehr werden sich melden, versprochen!

Voraussetzungen:

  • Hörer on air „sehen immer gut aus“, denn…
  • deine Hörer werden nie ver- bzw. beurteilt und…
  • du bist empathisch, nie ironisch und schon gar nicht schadenfroh.

Wenn deine Hörer lernen, sie können dir vertrauen und sie werden on air immer „eine gute akustische Figur“ abgeben, dann werden sie nach und nach immer häufiger bei dir anrufen.

Dass du – wann immer du während der Show Gelegenheit hast – selbst ans Telefon gehst wenn zum Beispiel ein Hörer einen Blitzer melden möchte, versteht sich ja von selbst.

Beantworte so viele Anrufe wie möglich. Stell dir vor, du rufst dreimal irgendwo an, z.B. bei einer Verkaufs-Hotline und nie geht jemand ran… gibst du der Sache auch noch eine vierte Chance oder kaufst du das neue Smartphone lieber bei einem anderen Anbieter?

Wenn die Gelegenheit passt, gehe also ans Telefon und rede mit den Hörern darüber, wo sie gerade sind, was sie gerade tun, was sie gerade besorgt und warum sie diesen Sender gerne hören.

Natürlich zeichnest du all diese Gespräche auf, um daraus einen kurzen O-Ton zu schneiden, mit dem du vielleicht den nächsten Song oder die Comedy des nächsten Morgens teast. Nebenbei erfährst du so recht viel über die Berufe oder die Gewohnheiten deiner Hörer, so dass du sie in Zukunft in deinen Moderationen noch besser spiegeln und abholen kannst.

Zwei Tricks für noch mehr Hörer on air:
Trick Nummer 1- baue absichtlich einen Fehler ein, verwechsle oder vergiss etwas in einem Zusammenhang Wichtiges… das provoziert Reaktionen. Zum Start des neuen James Bond Films verwechselst du vielleicht einen Darsteller oder Charakter – es wird sich jemand melden, der das richtigstellt. Versprochen.

Trick Nummer 2 – bitte deine Hörer um Rat – auch das funktioniert! Du hast keine Idee, wohin du am Wochenende mit der Familie zum Baden gehen könntest, wie du die versalzene Suppe von gestern Abend rettest oder den Cola-Fleck auf dem Studio-Teppich wieder rauskriegst? Frage deine Hörer! Es kommt garantiert Feedback.

Sorge dafür, dass auch WhatsApp Nachrichten oder WhatsApp Sprachnachrichten beantwortet werden, wann immer es geht. Aber zitiere on Air nicht zu viele WhatsApp Nachrichten. Versuch lieber, mehr Hörer-Stimmen on Air zu bekommen, das bringt viel mehr Leben und animiert nicht so sehr dazu, eine WhatsApp Nachricht zu senden, statt anzurufen.

Und wenn du dann viele Hörer on Air hast, gilt natürlich auch hier das Prinzip „Kill Your Darlings“. Auf dem Höhepunkt des Telefonats gehst du raus und machst weiter in der Show – und zwar ohne dich zu verabschieden.

Verabschieden heißt, etwas zu beenden, unsere Sendung geht aber weiter.

Ganz großartig finde ich die Angewohnheit vieler US- Moderatoren – mittlerweile immer öfter auch bei uns zu hören – sich für das das Zuhören oder Anrufen zu bedanken und damit das Gespräch zu beenden. Statt „Tschüss“ also besser „Danke fürs Zuhören“, „danke fürs Einschalten“, „danke fürs Anrufen“, „danke fürs Mitspielen“ – das macht es auch leichter, direkt in der Show weiter zu machen.

In diesem Sinne:

Danke fürs Zu-Ende-Lesen!

Deine
Yvonne Malak

Erschienen am 03. Oktober 2021 auf www.radiowoche.de.