„Morningshow to go“ – das 10-Minuten-Erfolgsrezept

radioWOCHE

10.07.2012 – Für die Lokalrundfunktage in Nürnberg wurde ich gebeten, in zehn Minuten zusammenzufassen, was eine erfolgreiche Morningshow in einem lokalen Markt auszeichnet und konkurrenzfähig gegen die Großen macht. Sicher hätte man gerne gehört, dass es die lokalen Beiträge sind, die einen Sender in Schweinfurt oder Bamberg zum lokalen Marktführer vor den landesweiten Sendern macht.

Eines vorweg: Lokalität ist kein Grund, einen Sender einem anderen vorzuziehen bzw. dauerhaft dabei zu bleiben. Für Lokalität wird man dort eingeschaltet, wo diese erwartet wird: in den Nachrichten oder Lokalnachrichten. Danach hört man aber gerne wieder die unterhaltsame Sendung des landesweiten Marktführers oder die gute Musik des strategisch sinnvoll ausgerichteten Mitbewerbers.

Wäre es anders, wären die Lokalsender z.B. in Bayern wahnsinnig erfolgreich und hätten nicht damit zu kämpfen, dass sie oft nur geringe Marktanteile im Vergleich zu z.B. Antenne Bayern erzielen.

Wenn Sie nach dieser Einleitung noch Lust haben, mir 10 Minuten zu widmen, bekommen Sie hier meine Ideen für Ihre Morgensendung:

Gibt es ein Erfolgsrezept für eine funktionierende Morningshow, das man in zehn Minuten präsentieren kann?

Nein natürlich nicht! Wir alle wissen, dass man tagelang über dieses Thema reden muss, um jeweils eine individuelle Lösung zu finden. Wenn man aber diese individuellen Lösungen vergleicht und auf deren Kern reduziert, um alles in einen 10- Minuten-Vortrag zu packen, dann geht es doch.

Man nehme – zwei Hauptzutaten:

  • Nummer 1: mindestens zwei sympathische Persönlichkeiten
  • Nummer 2: relevante Themen.

Dazu einige Gewürze, wie Meinungen, Persönliches und Benchmarks.
Das ist eigentlich schon alles. Denn bei diesem Rezept kann das rauskommen, was alle erfolgreichen Morningshows gemeinsam haben: Sie unterhalten die Menschen! Sie unterhalten mit den Themen, die die Menschen gerade bewegen, über die sie sprechen. Egal, ob das ein regionales Thema ist, ein nationales oder ein ganz persönliches.

Die Aufgaben der Verantwortlichen sind leicht gesagt und schwierig umzusetzen:

  • 1. Aufgabe: Persönlichkeiten finden, die etwas zu sagen haben und die gute Geschichtenerzähler sind. Damit steht und fällt fast alles!
  • 2. Aufgabe: Ein Gefühl für die Themen bekommen, die die Menschen beschäftigen und diese locker, persönlich und unterhaltsam aufbereiten.

Zusammengefasst: Persönlichkeiten mit massenkompatiblen Geschichten aus der Lebenswelt der Hörer. Ich bin überzeugt: Das können wir als Lokal- oder Regionalsender mindestens genauso gut wie Antenne Bayern oder SWR3.

Was muss diese Persönlichkeiten auszeichnen, welche Gewürze brauchen wir:

1. Gewürz:
Die Moderatoren Ihrer Morgensendung unterscheiden sich durch mehr als ein x Chromosom und bilden durch ihre unterschiedlichen Eigenschaften eine maximale Menge an Hörern ab.

Sie alle kennen die klassische Konstellation „verheirateter Familienvater vs. Singlefrau“. Diese Konstellation bietet bei x Themen unterschiedliche Herangehensweisen und mehr Spannung! Wir brauchen also idealerweise schon im On Air Team unterschiedliche Lebenswelten, um möglichst viele Hörer abzubilden und abzuholen.

Ich habe eine Morgensendung in BaWü betreut, deren Anchor sich während der heißen Anti-Stuttgart-21-Phase für den Bau des neuen Bahnhofs ausgesprochen hat. Das hat seiner Sympathie null Abbruch getan! Eine polarisierende Meinung ist auch generell kein Problem. Sie haben ja mit dem Co-Moderator jemanden, der diese Meinung ausgleicht. Und mit zwei Meinungen erwischt man logischerweise viel mehr Menschen als mit einer. Und erst unterschiedliche Meinungen erzeugen Spannung und schaffen Gesprächsstoff.

Die nächste Zutat
für den Erfolg einer Morgenshow schließt sich hier direkt an: Die Moderatoren sind persönlich. Sie haben die Bereitschaft, etwas von sich preiszugeben und damit dem Hörer etwas zum Andocken zu geben. Etwas, womit ich mich als Hörer identifizieren kann.

Zusammenfassend kann man also sagen: Wir brauchen sympathische Persönlichkeiten,

  • die aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen,
  • die bereit sind, etwas von sich preiszugeben,
  • Mit denen sich der Hörer identifizieren kann
  • Die Meinungen haben, am besten gegensätzliche
  • Dazu die richtigen Themen – die zweite Hauptzutat in meinem Rezept – und fertig ist eine gelungene Morningshow.

Wie findet man relevante, unterhaltsame Themen aus der Lebenswelt der Hörer? Ganz banal. Überlegen Sie z.B., was sind die aktuellen Top Themen, die die Menschen gerade beschäftigen? Von Benzinpreisen bis Fernseh- Highlights.
Fragen Sie ihre Morgenmoderatoren, ob es ein relevantes Ereignis aus deren Leben gibt, aus dem etwas Großes entstehen könnte. Mit dieser Frage haben wir in Brainstromings mit Morgenshowteams schon die unterhaltsamsten Themen gefunden, z. B.: über folgende Erlebnisse:

  • „Ich bin zu blöd einen Fahrkartenautomaten der Bahn zu bedienen“
  • „Meine Frau schnarcht“
  • Oder: „Was man beim Straßenbahnfahrten alles erleben kann“

Und natürlich, fragen Sie Ihre Moderatoren, ob es etwas aus Ihrer Beziehung oder Ehe gibt, worüber man sprechen kann. Oder aus deren Singledasein wie „Mist, ich bin über 50, Single und möchte mich noch mal verlieben“. Ein Morgenmoderator, den ich betreue, hat das on air erzählt. Er hat sich bei einer Online Agentur angemeldet und seine Hörer an seinen Erlebnissen teilhaben lassen. Vom Kennenlernen bis zur Hochzeit. Alles echt, kein Fake. Leider auch die Scheidung, die wir diesen Winter on air gebracht haben.

Und dann gibt es die Top Themen, die immer gehen.

  • Sex
  • Geld
  • Gesundheit

Sex steht hier als Synonym für Beziehungen oder Mann Frau Themen.

Beispiele: Mario Barth, oder der Buchtitel „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Schauen Sie auf die Titelseiten von Frauenzeitschriften und Klatschmagazinen – all diese Medien und Menschen leben von Mann- Frau- Beziehungen in allen Varianten. Und was für Mario Barth,, diverse Bestsellerautoren oder die neue „Gala“ ein Thema ist, sollte ein Hinweis auf ein funktionierendes Themenfeld sein.

Eine weitere Zutat für eine funktionierende erfolgreiche Morgensendung sind Benchmarks.

Diese Benchmarks müssen aber nicht zwangsläufig eine klassische Comedy sein. Bei BB Radio – dem landesweiten Marktführer in Brandenburg – haben wir zum Beispiel eine erfunden mit dem Titel „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ – darin geht es jeden Tag um die kleinen Probleme zwischen Männern und Frauen. Persönlich aus der Lebenswelt der Moderatoren eingeflogen, mit Hörertönen gespickt und von einem Experten aufgelöst. Eine eigene Erfindung, die fast nichts kostet. eine der Besttester Benchmarks seit ihrer Einführung vor 4 Jahren. Warum diese Benchmark so erfolgreich ist: Jeder Hörer kann sich darin wieder finden, weil jeder die Probleme zwischen den Geschlechtern kennt und man kann sie außerdem nutzen, um Charakter- Merkmale der Moderatoren zu kommunizieren. Aber vor allem erfüllt diese Benchmark das wesentliche Kriterium für eine erfolgreiche Morgensendung: sie liefert UNTERHALTUNG.

Zum Schluss noch ein kurzer Abschweif zum Thema Lokalität/ lokale Beiträge:
Super, wenn diese relevanten Lebenswelt- Geschichten lokal verankert sind. Aber wichtiger als die Lokalität ist der Unterhaltungsfaktor.
Nach einem Fußballländerspiel sprechen wir morgens natürlich darüber und das ist alles andere als lokal, ebenso die neue Staffel GNTM oder eine spektakuläre Ausgabe von „Wer wird Millionär“. Keines dieser Themen ist lokal, alle sind relevant.

Das Kriterium für die Themenauswahl ist nicht Lokalität sondern Unterhaltungswert! Durch das Umfeld, in dem wir senden, werden wir sowie als Lokalsender wahrgenommen.
Das schöne an diesen Themen und Benchmarks in dieser Richtung ist: Sie kosten keinen Cent und brauchen null zusätzliches Personal.

  • Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Lebenswelten,
  • die gute Geschichtenerzähler sind,
  • Meinungen haben und Spaß rüber bringen,
  • die persönlich sind und den Hörern die Chacne geben, sich mit ihnen zu -identifizieren,
  • dazu relevante Themen aus der Lebenswelt der Hörer,
  • vorzugsweise vieles über Mann Frau Beziehungen,
  • und zwei bis drei Kreative Benchmarks.

All diese Zutaten machen die Verantwortlichen zu guten Programm-Köchen, die ihren Hörern jeden Morgen zum Frühstück etwas servieren, das die Chance hat, etwas ganz Großes zu werden.

Eine Morgensendung mit der Überschrift: Unterhaltung.

Ihre Yvonne Malak

Erschienen am 10. Juli 2012 auf www.radiowoche.de.