10 Tipps für gute Airchecks (Teil 2)

radioWOCHE

01.06.2013 –

Warum es für einen Moderations-Coach manchmal sehr effektiv sein kann, nichts zu sagen, was Moderatoren am Anfang ihrer Karriere brauchen und warum „Erbseninnenraumpolieren“ zuviel des Guten ist, das klären wir in Teil II der „10 Tipps für gute Airchecks“.

6. Vorbilder und Hörbeispiele

Gerade am Anfang ihrer Karriere kann es für Moderatoren hilfreich sein, eine Orientierung zu haben, wie sie klingen wollen bzw. wie der optimale Break in diesem Format zum eben im Aircheck besprochenen Thema klingen soll. Natürlich wollen wir keine anderen Moderatoren klonen, aber es kann helfen, zu verschiedenen Punkten positive (Hör-)Beispiele anzubieten. Zum einen können das andere Moderatoren sein, die einen bestimmten Punkt optimal
umsetzen. Beispiel: „Perfekte Pay Offs, in denen die Promotion jedes Mal kurz nachvollziehbar erklärt wird, die kurz aber persönlich sind und in denen am Ende immer sehr gut auf die nächste Gewinnchance geteast wird, kannst Du Dir bei X von Sender Y anhören“. Zum anderen helfen gesammelte Hörbeispiele zu klassischen Situationen. Wann immer ich einen vorbildlichen Break höre, z.B. den optimalen Pay Off, eine gelungene Umsetzung einer Personality- Geschichte oder einen herausragenden Musicsell, versuche ich, ein Audio dazu zu bekommen, das ich in mein Archiv integriere. Diese Hörbeispiele geben (vor allem jungen) Moderatoren eine Orientierung und eine Idee, wo es hingehen kann.

7. Kein „Erbsen-Innenraum-Polieren“

Seien Sie nicht zu kleinlich und werden Sie in Ihrer Kritik nicht zu kleinteilig. Sie müssen nicht jeden noch so kleinen Fehler aufzählen. Es ist hart genug, sich als Moderator der direkten Kritik zu stellen. Mini-Fehler oder Punkte, die für den Sender nicht „kriegsentscheidend“ sind, kann man da auch mal bewusst überhören – gerade bei den ersten Aircheck-Terminen bzw. beim allerersten Zusammentreffen. Zumal man am Anfang sowieso nur einen bis maximal drei Punkte wirklich verändern kann.

Bei späteren Airchecks ist es oft gar nicht nötig, alles zu erwähnen, denn die Moderatoren wissen meistens selbst, was nicht optimal läuft bzw. klingt.

8. Lassen Sie den Moderator reden

Eine sehr schöne Strategie mit großem Lerneffekt ist, einfach das Audio zu stoppen und den Moderator selbst zu bitten, den Break zu analysieren. Und wenn der Moderator mehrfach hintereinander selbst feststellen muss „ich habe erst drei inhaltliche Schleifen gedreht, bevor ich zum eigentlichen Thema gekommen bin“ ist das garantiert effektiv.

9. Nachfragen

Da Airchecks eine sehr sensible Angelegenheit sind und der Airchecker nicht die Gedankengänge des Moderators kennt, finde ich es nur fair nachzufragen, ob die Kritik für den Moderator überhaupt nachvollziehbar ist. Wenn man ein „Nein“ bekommt, muss man über den betreffenden Punkt noch einmal sprechen. Bekommt man ein „Ja“, kann man ziemlich sicher sein, dass die Kritik auch wirklich angekommen ist!!!

10. Überprüfbare Ziele gemeinsam verabreden

Auch wenn es in dem gerade aktuellen Aircheck vielleicht 13 Punkte gegeben hat, die der betreffende Moderator besser machen muss, sollte es am Ende eine gemeinsame Verabredung zu maximal drei bis zum nächsten Termin zu verbessernden Punkten geben. Diese werden als „Ziel“ auf dem Aircheckprotokoll notiert und als „Ziel“ in das neue Aircheckprotokoll übertragen. Das macht Ziele überprüfbar und verschafft Erfolgserlebnisse.

Und so könnte das Ganze in einem Layout dann aussehen:

Aircheck vom… mit…..
Sendung:
Ziel vom…:
Eigeneinschätzung:
Aircheck:
Fazit/Ziele erreicht:
Ziel bis zum…:

Und wenn man nach einem Jahr intensiver gemeinsamer Arbeit zusammen mit dem Moderator in alte Protokolle schaut und feststellt, wie viel verbessert wurde, ist das ein toller Moment, der dann erlaubt, gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen – vom Moderator zur Personality.

Welche Fallstricke bis dahin auf einen warten, hatte ich im Frühjahr zwar bereits zum Teil beschrieben, aber da es dafür unendlich viele Beispiele gibt, freue ich mich auf Juli an dieser Stelle mit „Noch mehr Moderationsfallen“, in die andere schon für Sie getappt sind.

Bis dahin viel Spaß beim Radiomachen – egal auf welcher Seite des Schreibtisches oder Mischpultes.

Ihre Yvonne Malak

Erschienen am 01. Juni 2013 auf www.radiowoche.de.