10 Tipps für gute Airchecks (Teil 1)

radioWOCHE

01.05. 2013 –

Moderatoren zu coachen ist großartig. Und man kann eine Menge dabei falsch machen. Gute Airchecks können motivieren und inspirieren. Mit einem schlechten Coaching kann aber auch genau das Gegenteil erreichen.

In fast 20 Jahren Moderatorencoaching und Airchecks haben sich einige Herangehensweisen als mehr und andere als weniger erfolgreich erwiesen. Letztere erspare ich Ihnen und freue mich, Ihnen 10 Tipps für gelungene Aircheck-Sessions weitergeben zu dürfen:

1. Ziel, die Erste

Besprechen Sie mit dem Moderator das Ziel des aktuellen Airchecks!
Bei den ersten Terminen mit einem neuen Moderator des Senders geht es wahrscheinlich vor allem um Einhaltung und Umsetzung des Formates und der spezifischen Sendervorgaben. Bereiten Sie den Moderator vor allem beim ersten Termin auf das vor, was ihn erwartet. Gerade am Anfang gibt es viele Formalien, die optimiert werden müssen. Das klingt für den Moderator zunächst nach wahnsinnig viel Kritik an seiner Arbeit. Ist es aber nicht. Es ist nichts weiter als ein erstes „Einnorden“ in den Sound und die Ziele des Senders. Wenn er das weiß und sich darauf einstellt, wird es ihn weniger hart treffen, wenn es gerade am Anfang viel zu besprechen und zu verbessern gibt.

Bei Folgeterminen geht es dann um ganz individuelle Punkte wie „Aufbau von Moderationen“ oder bestimmte Probleme bei der Performance. Wenn Sie vorher besprechen, worum es gehen soll, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sender und Empfänger auf einer Frequenz sind, hoch und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Aircheck Zeit effektiv genutzt wird.

Und wenn Sie vorab auch noch daran denken, sich die Erlaubnis für ein bestimmtes Feedback zu holen („Ist es o.k, wenn wir heute vor allem darauf achten, wie sich Punkt xy und Punkt z entwickelt haben?“), gehen Sie ganz auf Nummer sicher, dass das was Sie sagen, auch gehört wird – ohne eine innere Anti-Haltung!

2. Ziel, die Zweite

Machen Sie dem Moderator klar, was Ihr Ziel im Sinne des Senders ist und worauf Ihre Kritik basiert. Wir machen Airchecks ja nicht, um Moderatoren zu demotivieren, sondern immer mit dem Ziel, am Ende der „on Air Wertschöpfungskette“ bessere Quoten und höhere Werbeerlöse zu erzielen. Und es geht ja auch nie um den persönlichen Geschmack des Coachs oder PD, sondern um nachprüfbare und belegbare Fakten, wie z.B. dass Hörer ganz schnell erst geistig und dann mit dem Finger auf dem Knopf abschalten, sobald ein Moderator erst mal drei inhaltlich irrelevante Schleifen dreht, bevor er zu dem Punkt kommt, den er eigentlich ansprechen wollte. Alles, was kritisiert wird, hat ja einen wichtigen Grund: Strategie schlecht verkauft und damit nicht zum Imageaufbau beigetragen, zu viele Ideen in einem Break gehabt und damit den Hörer verwirrt, zu viele Schleifen gedreht und damit zum Abschalten animiert, Highlights nicht geteast und TSL Effekte oder eine Chance für einen Aufruf zum Wiedereinschalten verschenkt usw. Niemals erfolgt eine Kritik nur aus persönlichen geschmäcklerischen Gründen. Sollte das doch so sein, macht derjenige, der den Aircheck ausführt, definitiv etwas falsch. Damit kommen wir zum nächsten Punkt.

3. Nur konstruktive Kritik ist erlaubt

Einen Moderator zu kritisieren, ohne einen Vorschlag zu machen, wie es besser geht, ist für mein Verständnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit ein No-Go. Jede Kritik muss beinhalten, wie man den kritisierten Break optimaler gestaltet. Noch besser: Erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Moderator eine optimale Umsetzung der besprochenen Moderation.

Und ermuntern Sie auch zu Nachfragen bzgl. der Kritik (siehe 2.). Schließlich hat jeder Verbesserungsvorschlag einen Grund im Sinne der „On Air Wertschöpfungskette“ und wenn es keine objektive Begründung für eine „Beanstandung“ eines Breaks gibt, üben Sie sowieso keine Kritik. Nichts finde ich für einen Coach, Programmchef oder Chefmoderator peinlicher als sagen zu müssen: „Weil ich es so empfinde“, oder noch schlimmer: „Weil es so ist“. Solche Aussagen des Aircheckers sollen Moderatoren aber tatsächlich schon gehört haben…

Die Kritik ist also immer konstruktiv und kann auf Nachfrage ausführlich begründet werden.

4. Selbstbild/ Fremdbild

Fragen Sie den Moderator nach seiner eigenen Einschätzung.
Die meisten Moderatoren wissen selbst, was sie gut können und wo ihre Schwächen liegen. Letztere vorab vom Moderator benennen zu lassen, macht es dann leichter, konkret drüber zu sprechen. Und mit dem vorherigen Abfragen der Schwächen holen Sie sich automatisch die Erlaubnis für ein kritisches Feedback.

Die Frage nach der eigenen Einschätzung von Stärken und Schwächen ist natürlich auch sehr interessant, wenn Selbst- und Fremdbild meilenweit auseinanderliegen. Wenn der Moderator z.B. der Ansicht ist, exakt die Themen aus der Lebenswelt der Zielgruppe zu treffen, aber mit seinen Inhalten voll an den Hörern vorbei sendet, sagt das eine Menge über dessen Verständnis für den Sender aus. Passieren solche groben Fehleinschätzungen öfter, müssen sie davon ausgehen, dass es wenig bis keine Entwicklung geben wird. Was dann sicher wiederum weitergehende Konsequenzen hat.

5. Das Gute finden

Versuchen Sie bewusst, mit etwas Positivem zu beginnen. Machen Sie sich die Mühe, bereits vor dem Termin mit dem Moderator alleine in den entsprechenden Aircheck reinzuhören oder hören Sie aufmerksam einige Livebreaks und finden dort etwas, was gut gemacht wurde.

Und enden Sie auch mit etwas Positivem. Niemand hört gerne Kritik an seiner Person. Und – so zumindest meine Erfahrung – als Moderator empfindet man Kritik im Aircheck als Kritik an seiner Person. Umso wichtiger ist es, dass die Aircheck- Termine nicht als lästige Pflicht empfunden werden oder gar verhasst sind. Das wäre eine schlechte Basis für eine erfolgreiche und fruchtbare Zusammenarbeit.

Andersrum – wenn sich der Moderator auf den nächsten Aircheck-Termin freut – kann ein Moderations-Coaching schnell erstaunliche Früchte tragen. Vonseiten desjenigen, der eine Sendung abhört und einen Moderator mit seinen Anmerkungen inspiriert, kann man natürlich noch viel mehr für eine bestmögliche Zusammenarbeit tun – mehr im Juni.

Bis dahin viel Spaß bei Ihren Airchecks, egal, auf welcher Seite des Tisches Sie sitzen.

Ihre Yvonne Malak

Erschienen am 01. Mai 2013 auf www.radiowoche.de.