10 Tipps für eine optimale Redaktionskonferenz (Teil 2)

radioWOCHE

01.10.2012 –

Mehr Input für Ihre Morningshow:

Um den bestmöglichen Input für Ihre Morgenshow (und den Rest des Tagesprogrammes) zu erarbeiten, ist eine sinnvolle Konferenzstruktur, in der Kreativität gefördert und gefordert wird unerlässlich. Wir brauchen eine gute Organisation und die richtigen Fragen. Und wir brauchen Mut zu ausgefallenen Themen- Umsetzungen. Wenn wir all das jeden Morgen berücksichtigen, haben wir die Chance, in der Bundesliga der deutschen Morningshows auf den vorderen Plätzen mitzuspielen. Und das auch, wenn das Team klein und unerfahren ist. Solange Führung und Struktur stimmen, kann ein kleines, junges Team genauso gute Themen und Ideen entwickeln wie die Profis der deutschen „Vorzeige- Morningshows“. Deshalb hier Teil II meiner 10 Tipps für eine optimale Morgenshowkonferenz.

6. Suchen Sie nicht nach Nachrichten, suchen Sie nach Emotionen!

Die BILD- Zeitung macht es uns (fast) täglich vor: emotionale Themen sind die stärksten Themen. Erinnern Sie sich noch an Problembär Bruno? Die BILD hat aus der Meldung zum Problembär eine emotionale Geschichte mit krönendem Abschluss gemacht: als der Bär erschossen war, veröffentlichte sie eine Doppelseite mit einem ganz süüüüßen Foto des “Problembären Bruno“. Zum Knuddeln! Und sooo emotional.

Also: nicht Nachrichten machen Ihre Sendung zu einer Show, sondern Themen, die Emotionen fördern.

7. Fördern Sie Kreativität.

Ja, eine Redaktionskonferenz sollte in 30 Minuten Geschichte sein und effizient arbeiten. Für Kreativität braucht es aber manchmal Zeit, Gespräche, Spaß, Lachen und auch den Mut, Dinge anders zu machen. Vergeben Sie doch z.B. mal den Auftrag, Zeitschriften „andersrum“ zu lesen. Der männliche Anchor muss bis zum nächsten Tag die Frauenzeitschrift „Cosmopolitan“ auswerten, die Co- Moderatorin die „Auto Bild“ und der kinderlose Line-Producer sich mit der Zeitschrift „Eltern“ beschäftigen. Und manchmal genügt es auch, eine kleine Blödelei zuzulassen und zu hören, was sich daraus entwickelt.

Also: machen Sie mal etwas ganz anders und lassen Sie Dialoge und Gespräche entstehen und laufen. Auch wenn das Zeit kostet.

8. Öffnen Sie Ihre Redaktionskonferenz!

Wenigstens einmal im Monat könnten Sie eine offene Konferenz machen, an der jeder teilnehmen darf, der mag. Von der Empfangsdame bis zum Verkaufsleiter. Und stellen Sie diesen Menschen die richtigen Fragen. Was fand die Dame vom Empfang in der letzten Woche in der Morgensendung gut? Worüber hat sich die Familie des Verkaufsleiters gestern beim Abendbrot unterhalten? Worüber ärgert sich der Techniker in seinem Privatleben? Andere Lebenswelten = andere Themen. Sie finden damit neue Ideen und decken auch Sinusmilieus in ihrer Zielgruppe mit deren Themen ab, die Sie mit ihrer regulären Konferenz nie „erwischen“.

Also: öffnen Sie Ihre Redaktionskonferenz und nutzen Sie alle Mitarbeiter als Ressource für relevante Themen aus der Lebenswelt Ihrer Hörer.

9. Haben Sie Mut zu ungewöhnlichen Meinungen bei den Themen, die Sie on air bringen.

Polarisieren Sie mit den Persönlichkeiten, die Ihnen zur Verfügung stehen. Das schöne an Morningshows mit mindestens zwei Moderatoren ist, dass fast jede Meinung möglich ist, da sie ja von einem zweiten Moderator ausgeglichen werden kann. Außergewöhnliche Meinungen ecken zwar manchmal an, aber wer will schon in Beliebigkeit versinken? Und ehrlich gesagt: zu einem wirklich guten Morgenshow- Moderator gehört auch, ein bisschen zu polarisieren. Denn wer nur beliebt ist, ist garantiert langweilig.

Also: haben Sie Mut zur eigenen Meinung – auch wenn diese nicht dem Mainstream entspricht.

10. Verwenden Sie viel Zeit auf die Umsetzung der Themen.

Es gibt x Möglichkeiten, ein Thema auf die Antenne zu bringen. O- Töne, Interviews und Umfragen sind die langweiligsten Umsetzungsformen. Ziehen Sie alle Möglichkeiten der Umsetzung in Erwägung: vom Soundalike, über ein Spiel, eine Hitliste, eine Comedy bis hin zu einem witzigen Stunt. Die wirklich erfolgreichen Morningshows in diesem Land haben alle eines gemeinsam: sie sind nicht nur gut darin, ansprechende Themen aus der Lebenswelt ihrer Hörer zu finden, sie sind vor allem brillant in der Umsetzung der Themen.

Also: der Unterhaltungswert eines Themas steht und fällt mit der Umsetzung.
Natürlich gibt es innerhalb der Morgensendung dann noch eine ganze Menge Tricks, wie aus der Sendung eine Show wird. Aber dazu dann ein anderes Mal.

Herzlichst,
Ihre Yvonne Malak

Erschienen am 01. Oktober 2011 auf www.radiowoche.de.