10 Tipps für eine optimale Redaktionskonferenz (Teil 1)

radioWOCHE

28.08.2011 –

Mehr Input für Ihre Morningshow:

Ich freue mich immer, wenn ich sie hören darf: die Morgensendungen, die einen immer wieder überraschen, die ihre Zielgruppe persönlich ansprechen mit kleinen Themen aus der Lebenswelt der Hörer, die es schaffen, aus kleinen Ideen Großes entstehen zu lassen. Das ist sicher auch der Kreativität der Moderatoren zu verdanken. Aber dahinter steht meistens auch eine gut geführte und gut strukturierte Redaktionskonferenz.

Es gibt Sender in denen diese Morgenshow- bzw. Redaktions- Konferenzen ein echtes Trauerspiel sind, weil nur Termine abgearbeitet und Meldungen besprochen werden. In den Sendern mit den überraschenden Morningshows, die täglich Spaß machen und ihre Hörer immer wieder überraschen dagegen sind die Sitzungen ein Pool der Kreativität, ein Füllhorn an Spaß, eine Runde, die sich gegenseitig befruchtet und so zu noch besseren Ideen und Themenumsetzungen gelangt.

Wenn Sie also der Ansicht sind, Ihre Morgensendung könnte bunter, spaßiger, ansprechender klingen, hinterfragen Sie zunächst einmal Struktur, Aufbau und Führung Ihrer Redaktionskonferenz. Hier Teil 1 meiner 10 Tipps für eine gelungene Sitzung.

1. Entschuldigen Sie die Ausdrucksweise: aber – „Hintern platt sitzen“ ist verboten!

Jeder, der an der Redaktionskonferenz teilnimmt, muss ein aktives Mitglied sein, das irgendeine Art von Input mitbringt. Mit anderem Worten: jeder bringt täglich mindestens eine Idee mit. Und wenn es nur eine klitzekleine Geschichte für einen Crewtalk oder einen Ramptalk ist. Meine Erfahrung mit dieser Verpflichtung für jeden: natürlich wird auch viel „Ausschuss“ mitgebracht, nur um etwas dabeizuhaben. Aber auf Dauer entwickelt sich ein kleiner Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern. Und wenn jeder versucht, die noch bessere Idee zu haben, kann Ihr Programm nur davon profitieren. Außerdem schult das auf Dauer den Blick der Mitarbeiter für relevante Themen und Ideen.
Also: Jedes Mitglied der Redaktionskonferenz bringt jeden Tag (mindestens) eine Idee mit.

2. Alles ist erlaubt!

Zunächst wird jede Idee einfach nur registriert und nicht kommentiert oder gar sofort wegdiskutiert. Das killt Kreativität und frustriert gerade junge Mitarbeiter.
Jeder Vorschlag wird zunächst auf ein Flipchart geschrieben. So viel Wertschätzung muss sein. Wenn man gegen Ende der Sitzung dann die Umsetzung der einzelnen Ideen bespricht und für die eine oder andere Idee tatsächlich keine gute Lösung findet, kann man sie immer noch streichen. Aber nichts ist demotivierender als eine Idee eines Mitarbeiters einfach wegzudiskutieren.
Also: alle Ideen werden zunächst gesammelt: Und zwar wertfrei.

3. Stellen Sie die richtigen Fragen!

Eine wichtige Frage ist z.B. die Frage nach Ereignissen aus dem Leben/der Lebenswelt Ihrer Morningshow- Personalities, aus denen sich eventuell Themen kreieren lassen. Aus solch kleinen Dingen und Erlebnissen ihrer Hauptakteure können große Themen mit Hörerbeteiligung entstehen. Wie z.B. aus dem Erlebnis einer Morgenshowmoderatorin, die es nicht geschafft hat, einen DB-Fahrkartenautomaten zu bedienen. Eine kleine persönliche Geschichte, an einem Morgen erzählt, daraufhin Hörerreaktionen bekommen, ein großes Thema daraus gemacht, Spaß rübergebracht und alle Hörer angesprochen, die jemals mit einem solchen Automaten gekämpft haben. Absolut mehrheitsfähig! Und darum geht es ja am Ende des Tages. Um mehrheitsfähige Themen, die jeder nachvollziehen kann.
Also: Fragen Sie ihre Morgenshow-Moderatoren nach den kleinen Dingen aus dem täglichen Leben. Daraus können große Unterhaltungsthemen entstehen.

4. Beziehen Sie die Erlebnisse aller Konferenz-Teilnehmer ein und außerdem auch noch deren Umfeld.

Eine Frage, die für mich in jede Redaktionskonferenz gehört ist: „Was beschäftigt Euch gerade im Freundes- oder Familienkreis?“. So kommen z.B. Familien- oder Kinderthemen in eine Morgensendung, die eigentlich von zwei kinderlosen Singles moderiert wird.
Also: profitieren Sie von den unterschiedlichen Lebenswelten Ihrer Mitarbeiter. Das macht die Morgenshow (und auch den Rest des Tageprogramms) bunter!

5. Fordern Sie Ihre Mitarbeiter auf, auch privat alle Zeitungen und Zeitschriften mit einem Fokus auf morgenshow-relevante Themen zu lesen.

Ein kleines Beispiel: in der Frauenzeitschrift „Glamour“ entdeckte ich „10 Sätze, an denen wir merken, dass wir älter geworden sind“. Diesen kleinen Ausriss habe ich einer „meiner“ Morningshows mitgebracht und daraus ist eine ganze 4-stündige Sendung gewachsen, mit Facebook- Postings, Höreranrufen und ganz viel Spaß! Dasselbe gilt für das Internet! Die Zeitung „Welt kompakt“ veröffentlicht jeden Tag die witzigsten Tweets ihrer Follower – und auch dieser kleine Beitrag ist jeden Tag aufs Neue unterhaltsam. Ohne dass sich irgendjemand Arbeit machen muss.

Also: nutzen Sie die Medien, die Sie und Ihre Mitarbeiter sowieso nutzen, um aus kleinen Geschichten unterhaltsame Bits oder gar ganze Shows zu gestalten.
Wie Sie Themen finden, die ganz sicher mehrheitsfähig und aus der Lebenswelt Ihrer Hörer sind, dazu mehr in Teil II meiner 10 Tipps für eine optimale Redaktionskonferenz.

Herzlichst,
Ihre Yvonne Malak

Erschienen am 28. August 2011 auf www.radiowoche.de.