10 Dinge, die Sie vor der nächsten MA checken sollten (Teil 1)

radioWOCHE

01.05.2011 –

Endlich MA-Pause!

Zeit, das Programm einem General-Check zu unterziehen – vor allem, wenn kein Geld für eine professionelle Marktforschung da ist, macht es Sinn, die wichtigsten Punkte auf den Prüfstand zu stellen und kritisch drauf zuschauen, was man selbst noch verbessern kann und wo die Mitbewerber möglicherweise deutlich besser sind.

Aber auch, wenn ein Marktforscher die Eckdaten checkt, hilft es, zusätzlich die handwerklichen Qualitäten kritisch zu begutachten. Besser machen kann man immer etwas – vor allem in den strategisch wichtigen Bereichen Musik, Morningshow, On Air Promotion, Tagesprogramm. Also jede Menge Punkte, deren Überprüfung garantiert nicht schadet…

Deshalb hier die ersten Anregungen für einen Programm-Check in der MA Pause – Musik und Morningshow Teil I:

Check 1

Musik:

Ich erzähle Ihnen nichts Neues, wenn ich sage, dass Sie – wenn Sie nicht gerade Marktführer sind – eine EIGENE musikalische Position brauchen, einen echten USP, der Sie von Ihren Mitbewerbern deutlich unterscheidet und dafür sorgt, dass Sie nicht nur für einzelne Programmteile eingeschaltet werden, wie zum Beispiel die lokalen Nachrichten, sondern dass Sie den ganzen Tag gerne gehört werden. Gerade in Bayern und Baden- Württtemberg sind viele kleinere Sender musikalisch ähnlich programmiert wie die „ganz Großen“ und wundern sich dann, wenn die Einschaltquoten einfach nicht in relevante Größenordnungen wachsen. Das Prinzip: „Aber der öffentlich-rechtliche / landesweite private Mitbewerber ist mit diesem Format doch auch erfolgreich“ funktioniert nämlich genau NICHT. Wo also könnte eine Nische für Sie sein, die einen eigenen USP bietet aber dennoch groß genug ist, um Einschaltquoten in relevanten Größenordnungen zu erreichen?

Prüfen Sie also kritisch, ob Ihre Musik wirklich ein Alleinsteinstellungsmerkmal bietet.

Check 2

Musikhistorie Ihres Hauses:

Um diese Nische zu identifizieren, ist es auch wichtig, wie die Geschichte Ihres Senders ist, wofür Sie stehen, für welche Musik sie vermutlich eingeschaltet werden und was man von Ihrem Sender erwartet. Es leuchtet sicher ein, wenn ich Ihnen sage, dass ein Sender, der jahrelang ein Oldieprodukt war, mehr Erfolg mit einem Format haben wird, das z.B. die 70er und 80er in den Mittelpunkt stellt (falls diese Position im Markt noch frei ist) als mit einem Produkt, dass die aktuellen Hits als seinen USP promoted. Wenn Sie nie für aktuelle Hits standen, werden sie nicht dafür eingeschaltet, weil man das nicht von Ihnen erwartet. Und es klingt doch schlüssig, dass es Sinn macht, genau in die Richtung zu tendieren, die von einem erwartet wird, oder? Es sei denn, Sie haben ein wirklich großes Marketingbudget, um Ihre neue Position so stark zu kommunizieren, dass die alte im Gedächtnis der Hörer quasi „überschrieben“ wird.

Checken Sie also, ob eine eventuell neu angepeilte Marktposition zu den Erwartungen Ihrer Hörer passt.

Check 3

Kommunikation der Positionierung

Kommunizieren Sie klar und deutlich, wofür Sie stehen? Oder ist Ihre Positionierungsaussage missverständlich? Oder möglicherweise klar von einem anderen Sender besetzt? Genauso wichtig wie die richtige Musikposition ist die optimale, klar verständliche, alleinstehende Positionierung.

Checken Sie, ob Ihre Positionierung klar und verständlich Ihre Musik beschreibt. Zur optimalen OAP der Positionierung nächsten Monat.

Check 4

Morningshow – Besetzung

Gerade kleinere Sender haben es hier wahnsinnig schwer, gegen die großen landesweiten privaten oder öffentlich-rechtlichen anzukommen, die mit riesigen Redaktionen, teuren Comedies und prominenten Personalities die Hörer am Morgen an sich binden. Und dennoch gibt es eine ganze Menge durchaus erfolgreicher und beliebter Morningshows auch bei kleineren Sendern, die u.a. dazu beitragen, dass diese Sender in ihren Märkten ganz weit vorne liegen. Diese Morningshows zeichnet alle eine Gemeinsamkeit aus: sie haben ihre lokalen bzw. regionalen Persönlichkeiten gefunden. Talentierte Moderatoren, die eine ganz eigene Art haben, die etwas zu sagen haben, die im Team Spannung und Reibung erzeugen und so für Gesprächsstoff sorgen und die – genau wie im Bereich Musik – ihre eigene Nische, ihren eigenen USP gefunden haben. Das kann eine besonders freche Mann- Frau- Kombination sein, eine witzige Konstellation aus einem „alten Sack und einem jungen Hüpfer“ oder ein Dreier-Team, das sich in Lebenswelt und Ansprechhaltung perfekt ergänzt und die gesamte Hörerschaft vom braven Familienpapa über die freche Singlefrau bis hin zum „politisch unkorrekten Macho“ abbildet. Sind Ihre Morningshow- Moderatoren echte Persönlichkeiten und damit wettbewerbsfähig? Prima! Dann weiter zu…

Check 5

Morningshow USP

Alle diese eben erwähnten Morningshows gibt es in kleinen Märkten und alle haben eines gemeinsam: sie stehen für etwas Besonders. Für etwas, was der Konkurrent nicht abbildet oder nicht abbilden kann. Für das echte Leben, für den täglichen Kampf der Geschlechter oder für wirklich freche Statements. Und sie alle haben Moderatoren, die mit Geschichten aus ihrer Lebenswelt und der der Hörer genauso viel bewegen, als das große Konkurrenz- Flaggschiff mit teuren Comedies und aufwendigen Beiträgen. Checken Sie also zuerst, welche Morningshow- Positionen schon besetzt sind und dann, wofür Ihre Morningshow stehen könnte.

Wenn Sie hinter all diese Punkte einen Haken machen können: Glückwunsch! Wenn Themenauswahl, -aufbereitung und –umsetzung genauso gut laufen, haben Sie am Morgen ein klasse Produkt.

Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

Herzlichst,
Ihre Yvonne Malak

Erschienen am 01. Mai 2011 auf www.radiowoche.de.