Von Buchtiteln, Betreff- Zeilen und guten Teasern

radioszene

11.10.2006 – „So machen Sie jede Frau glücklich“ – dass es diese Schlagzeile war, die meinen Nachbarn im Flugzeug dazu animiert hat, diese Männerzeitschrift zu kaufen, kann ich nur vermuten. Das Buch mit dem Titel: „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ habe ich jedenfalls des vielversprechenden Titels wegen gelesen und eine Freundin gestand mir kürzlich, sie hätte eine neue Zeitschrift nur wegen der Schlagzeile: „Warum ein paar Pfund mehr schlau und sexy machen“ gekauft.

Alle diese E- Mail- Betreffzeilen, Schlagzeilen aus Lifestyle Zeitschriften oder Buchtitel haben eines gemeinsam: sie machen neugierig. Sie haben einen guten Teaser.

Wenn ich Radio höre, höre ich leider selten so gute Teaser, so wunderbare „Neugierig- Macher“, die bewirken, dass ich mehr von dieser Morgenshow oder unbedingt den nächsten Musicsweep hören will. Oft sind die vermeintlichen Teaser nicht mehr als Ansagen oder Aufzählungen à la (Beispiel A) „Gleich Anastacia, Sting, Nena und Phil Collins bei Radio XY mit den größten Hits aus 3 Jahrzehnten“. Oder (Beispiel B)„ein weiteres Crazy Phone/ verrücktes Telefon/ Sinnlostelefon/ Telefonfalle gleich“. Ebenfalls sehr beliebt und gleichermaßen nichts sagend ist Beispiel C: „….das erfahren Sie morgen zwischen 5 und 10“.

Dabei geht es uns bei allem, was wir tun, doch nur darum, dass unsere Hörer länger dranbleiben als sonst, oder zu einem anderen Zeitpunkt hören als sonst und dass wir unseren Sender, die Musik, die wir spielen, unsere Majors, unsere Morningshow, groß und wertig machen. Um das zu erreichen, teasen wir und nutzen alle Gelegenheiten, Hördauern zu verlängern oder Hörgewohnheiten zu verändern. Oder besser gesagt: wir sind einfach kreativ.

Wenn wir uns manchmal mehr Mühe gäben, würden wir unsere Hörer sich noch mehr angesprochen fühlen, weil unserer Moderationen mehr leben, mehr Farbe haben, mehr als leere Phrasen sind, Musikkompetenz beweisen, unterhalten und vielleicht sogar zu einem Schmunzeln anregen. Zu Beispiel A: zumindest für meine Ohren klängen folgende Musikteaser deutlich interessanter „Gleich ein Mann, der Musikgeschichte geschrieben hat, seit einem Vierteljahrhundert mit derselben Frau zusammen und Vater von 7 Kindern ist ….“ Der Song „99 Luftballons“ könnte geteast werden als „der erste deutschsprachige Song in den amerikanischen Charts“. Die Sängerin Anastacia könnte anmoderiert werden als Hit- Garantin, „die Pommes, Bier und Burger liebt und von Madonna wegen ihrer Vielseitigkeit bewundert wird“ und Phil Collins könnte der Mann mit „mehr Hits als Haaren“ sein. Oder: Norah Jones die Frau, „deren Debutalbum mehr als ein Jahr in den Albumcharts vertreten war“ , oder die Hitsingle „Thriller“„der Titelsong des bis heute meistverkauften Albums der Welt“ oder oder oder.

Vielleicht mögen Sie diese Beispiele nicht, aber eines erreichen diese Beispiele auf alle Fälle: diese Moderationen machen die Musik „größer“ als pure Ansagen von Titeln oder Aufzählungen von Interpreten. Natürlich gehören dazu Vorbereitung und Kreativität. Aber das sind ja sowieso Grundvoraussetzungen für gelungene Moderationen.

Zu Beispiel B: beim Teasing auf ein Bit der Morgenshow kann ich es mir leicht machen – in dem ich für den nächsten Tag „eine weitere Folge unserer Kanzlerinnen-. Comedy“ ankündige. Oder ich mache den Hörer wirklich neugierig, in dem ich in die Comedy reinhöre und einen echten Teaser vorbereite wie „Können Sie sich vorstellen, wie es klingt, wenn der Münte unserer Angie eine Liebeserklärung macht? Sie hören es, morgen um 7 Uhr 17…..“. Und wenn jetzt noch ein Mini O-Ton aus dieser Comedy Serie die Moderation abrundet und den Hörer sogar noch zum Schmunzeln bringt: wunderbar, sozusagen der perfekte Teaser.

Dasselbe gilt für das Teasing innerhalb der Morgenshow. Sie können „Erkan und Stefan live zu Gast bei uns ab 7“ ankündigen oder sagen: „Wie es klingt, wenn wir die Comedians Erkan und Stefan bitten, Einsteins Relativitätstheorie vorzulesen und zu erklären, das hören Sie um 7 Uhr 7“.

Zu Beispiel C: was bitte fange ich mit der Zeitangabe „zwischen 5 und 10“ an?? Sie verabreden sich mit Ihren Freunden ja auch nicht „zwischen 19 und 24 Uhr“ zum Abendessen. Stichwort: Verabredung mit dem Hörer. Genauso wenig konkret ist für mich die Zeitangabe „gleich“. Besser: „um 6 Uhr 40“ oder „in zehn Minuten“.

Apropos Zeitangabe: wir wollen ja, dass unser Hörer sich erinnert, wann welche Comedy läuft und sich damit genau erinnert, wann er unseren Sender gehört hat. Schließlich machen wir diese ganze Veranstaltung um am Ende des Tages in der MA Abfrage genannt zu werden. Also: verabreden Sie sich mit Ihrem Hörer zu Ihren Comedies: immer und immer wieder. Der Hörer muss irgendwann auswendig wissen, dass die Telefoncomedy immer um 8 Uhr 10 läuft. Schließlich soll bei der MA der Pawlow- Effekt eintreten. „Sender XY…ja, höre ich jeden Morgen zwischen 8 Uhr und 8 Uhr 15“.

Gerade am Morgen gibt es unendlich viele Gelegenheiten zu teasen und unendlich viele Themen zum Teasen. Binden Sie alle Kollegen ein, nehmen Sie den Nachrichtenredakteur und die Wetterfrau in die Pflicht. Ich finde, das Wochenendwetter ist durchaus einen Teaser wert: „Ob wir uns noch mal auf ein sonniges und mildes Oktoberwochenende freuen können, oder ob der Herbst mit Regen und Kälte Einzug hält…“. Newsthemen sind einen Teaser wert: „Die Vogelgrippe ist zurück in Europa. Wo der erste Fall aufgetaucht ist..“ Sie alle wissen das sicher. Und dennoch vergessen es manche Kollegen immer wieder.

Vor einem Comedybit kann der nächste Song geteast werden, nach einem Comedybit die nächste Comedy oder die News, im Showopener ist ein Überblick schön mit Musikteaser, Teaser auf den Inhalt und Vorstellung der Personalities.
Auch ein Headlineteasing macht Sinn, in dem man wie auf einer Speisekarte einen Überblick gibt, was den Hörer in der Show wann erwartet. Oder ein langfristiges Teasing auf einen besonderen Programmpunkt: „Der romantischste Heiratsantrag des Jahres live bei uns in genau zwei Stunden um…..“ Klicken Sie sich mal ins www und hören Sie Ryan Seacrest auf KIIS FM Los Angelos. Er ist ein Meister des Teasing.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es ganz schön anstrengend ist, dieselbe Promotion nach vier Wochen immer noch anders zu verkaufen. Aber das ist dem Hörer egal! Und dem Programmchef – zu Recht – auch. Ich finde, es macht sehr wohl einen Unterschied, ob ich sage: „Gewinnen Sie eine Reise nach Florida“ oder stattdessen: „30 Grad mitten im November, Sie liegen am Pool Ihres 5 Sterne Hotels und freuen sich schon auf das exotische Abend- Buffet unter freiem Sternenhimmel“.

Zur Zeit gibt es irre viele Gewinnspiele, die mit hohen Jackpotsummen arbeiten. Und dennoch sind die Teaser auf diese Gewinnspiele manchmal wenig kreativ. Dabei ist es doch ganz einfach und macht nur wenig Arbeit, um eine 5- stellige Geldsumme einen interessanten Teaser zu kreieren. Auch wenn die Promotion schon in Woche 5 angelangt ist…..

Wir machen Promotions schließlich, damit der Hörer erstens eine bestimmte Sendezeit lernt, zweitens eventuell fünf Minuten länger hört als sonst und drittens mit viel Glück weil wir ihn so neugierig gemacht haben, zu einer anderen Sendezeit als sonst einschaltet. Und um das zu erreichen, müssen wir die Promotion entsprechend teasen. Und wenn wir wollen, dass die Promotion „Talk Of The Town“ wird, gilt das erst recht.

Es gibt unendlich viele Formen und Möglichkeiten des Teasings. Sicher hab ich die eine oder andere vergessen. Lassen Sie mich wissen, was ich noch nicht weiß! Schließlich lernt man nie aus.

Ihre Yvonne Malak

Zuerst veröffentlicht am 11.10.2006 bei RADIOSZENE:
http://www.radioszene.de/news/myradio_mailbox_111006.htm