Der perfekte Pay Off oder nie mehr „und tschüss dann“

radioszene

13.11.2006 – „Versuch mal, dich von deinen Hörern nicht zu verabschieden“. Ich hab genauso gestutzt wie Sie jetzt vermutlich, als ein Airchecker dies vor vielen Jahren mal zu mir gesagt hat, als er einen Pay off ge-aircheckt hat. Aber dann ist mir klar geworden, wie viel Potential darin steckt, sich nicht zu verabschieden, sondern stattdessen die Gelegenheit zu nutzen, weiter nach vorne zu arbeiten oder mir etwas einfallen zu lassen, was mich als Moderator sympathisch klingen lässt.

Es macht doch deutlich mehr Sinn zu sagen: „Und sagen Sie`s auch Ihren Arbeitskollegen – die nächste Chance, 1000 Euro zu gewinnen gibt`s in genau einer Stunde“.

Oder: „Danke für`s Mitspielen“. Oder: „Danke für’s Radio XY hören, gleich bei uns…“. Oder: „Übrigens, persönlicher Tipp unter Männern: morgen früh bei Freddy und die Morgenfreaks erfährst du um 7 Uhr 7 was Frauen sich wirklich zu Weihnachten wünschen.“

Ich finde alle diese Varianten erstens charmanter und zweitens effektiver als „ja, tschüss dann“. Gerade, wenn es nicht um eine Major Promotion geht, macht es meiner Ansicht nach Sinn, den Pay Off am Schluss zur Promotion des Senders zu nutzen.

Soviel zum Ende eines Pay Offs.

Aber am Anfang steht ja erstmal der Einstieg in denselben und der sollte die Promotion, das Spiel um das es geht, noch mal kurz zusammenfassen. Nachvollziehbarkeit heißt das Zauberwort. Natürlich weiß das jeder Moderator, aber dennoch wird es immer wieder vergessen – zumindest bei einigen der Sender, die ich höre. Zurück zum Thema: Wir haben schließlich nicht nur Stammhörer, auch Gelegenheitshörer und (hoffentlich) auch immer wieder neue Hörer. Sowohl für Letztere als auch für den Gelegenheitshörer ist folgender Einstieg in einen Payoff nicht nachvollziehbar : Intro: „Das Radio XY Wortspiel“. Moderator: „Hallo Peter aus Großbellhofen, was ist dein Tipp?“ Peter: „…äh ich würde sagen… Korkenzieher, er meint Korkenzieher“.

??? Ja genau! Solche Einstiege höre ich immer wieder. Wenn eine Promotion zwei Wochen gelaufen ist, passiert so etwas leider recht oft. Weiter. Moderator: „Ja, damit ist der Jackpot wieder nicht geknackt. Schade eigentlich.“
???

An den Anfang gehört immer ein Einstieg, der jedem neuen Hörer nachvollziehbar macht, worum es geht. Fassen Sie das Spiel in einem Satz zusammen, erklären Sie mir, worum es geht, was die Aufgabe ist. Spielen Sie mir das Geräusch, den O-Ton um den es geht, noch mal vor. Und: nennen Sie die Gewinn- Summe! Bitte lassen Sie mich wissen, dass es um 10.000 Euro geht! Und machen Sie die Summe groß und greifbar. Was kann ich damit machen? Wie würde sich mein Leben verbessern? Ich würde dies nicht erwähnen, wenn dies nicht immer wieder vergessen würde. Obwohl es natürlich – das wissen Sie selbst – zum „kleinen 1×1 der Moderation“ gehört.
Im Gespräch mit dem Hörer werden leider oft spannende Momente verschenkt. Was spricht gegen eine kleine Pause: „Es geht um 10.000 Euro.“ PAUSE. „Wenn dein Tipp stimmt, gehört dir das ganze Geld“. PAUSE. Leider haben nur wenige Moderatoren den „Mut zur Pause“. Obwohl es manchmal am effizientesten ist, nichts zu sagen.

„Nee falsch“ ist nach einer falschen Antwort übrigens – zumindest für meine Ohren – genauso wenig nett wie ein grauenvoller Falsch- SFX . Für den Hörer ist diese Situation schließlich etwas ganz besonderes. Er ist durchgekommen! Er ist on air! Er darf seinen Tipp abgeben, von dem er glaubt, dass er richtig ist! Er hat JETZT die Chance, auf einen Schlag 10.000 Euro zu gewinnen! Sie wissen selbst, dass ein Radiohörer für 10.000 Euro netto in der Regel monatelang arbeiten muss. Da klingt Mitgefühl doch schöner als „Nee falsch“. Eine Nettigkeit wie „schade, ich hätt`s Ihnen gegönnt“ oder „ich hätte mich wirklich für Sie gefreut“ wirkt an dieser Stelle auf alle Fälle sympathischer.
Ihr Programmchef freut sich in jedem Fall über einen Pay Off, der erstens nachvollziehbar und spannend ist, zweitens sympathisch klingt und drittens am Ende nach vorne arbeitet und all die „mitnimmt“, die gerade nicht durchgekommen sind.

Natürlich soll der Break kurz bleiben! Aber das gilt ja für (fast) alles, was wir senden.

Als ich selbst noch moderieren durfte, mochte ich die Pay Offs am liebsten, in denen man einen großen Preis, eine große Geldsumme verschenken durfte. Einige meiner Erfahrungen mit diesen „großen Pay Offs“ möchte ich an dieser Stelle weitergeben: manchmal ist leise sein besser als laut sein. Lassen Sie Gänsehaut entstehen manchmal ist es angebracht, einige Sekunden einfach gar nichts zu sagen, um Spannung aufzubauen. Haben Sie ruhig den Mut zur Pause lassen Sie dem Hörer Raum, sich zu freuen!! Töten Sie die Situation nicht mit eigenem Gebrülle, viel zu lauten SFXs oder Musikbetten fassen Sie am Ende noch mal kurz zusammen („Seit… Wochen suchen wir…. Der Jackpot kletterte bis auf…..und….gewinnt jetzt das ganze Geld mit der Lösung XY..“). Wenn es sich anbietet, arbeiten Sie am Schluss nach vorne („Ihre Gewinnchance morgen früh um…“).

Eigentlich geht es sowieso immer um dasselbe: unsere On Air Zeit und damit die wertvolle Zeit, die uns unser Hörer schenkt, möglichst effizient zu nutzen. Für Pay Offs bedeutet das: unterhaltsam sein für die 80%, die nicht mitspielen, „nach vorne“ arbeiten, um die 20%, die mitspielen dazu zu bringen, länger oder zu einem anderen Zeitpunkt als sonst zu hören. Schließlich machen wir diese ganze Veranstaltung nur für eines: die Quote.

In diesem Sinne: bis in einem Monat, wenn ich hier wieder die Gelegenheit nutzen darf, über das faszinierende Medium Radio zu schreiben.

Danke für Ihre Zeit!

Zuerst veröffentlicht am 13.11.2006 bei RADIOSZENE:
http://www.radioszene.de/news/myradio_mailbox_131106.htm