„Ich liebe Morningshows“ (medienforum MITTWEIDA)

medienforumMITTEIDA

08.10.2012 – VON KEVIN FUNK –

Yvonne Malak ist Inhaberin von my radio und berät Radiostationen wie Radio Hamburg oder Hitradio RT1. Das Medienforum Mittweida bereichert sie mit ihrem Workshop „Morningshow Basics – Grundlage für mehr Erfolg am Morgen“. Im Interview spricht sie über ihre Anfänge beim Radio, Formatierung von Programmen und ihre Erwartungen an das Mittweidaer Publikum.

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Yvonne Malak, Inhaberin my radio

Seit über 25 Jahren sind Sie mit dem Medium Radio eng verbunden. Was ist für Sie das Besondere am Funken?

Das Medium ist schnell und man kann in kurzer Zeit neue Ideen umsetzen bzw. einen ganzen Sender komplett umstrukturieren. Und ich liebe es, wenn ich ein neues Produkt mitgestalten darf, das dann auch zum Teil meine Handschrift trägt. Und es macht mich stolz, wenn ich einen Moderator oder eine Morningshow über einen bestimmten Zeitraum begleite und ich im Radio deutliche Fortschritte höre. Es ist toll zu wissen, dass man diesem oder jenem jungen Menschen auf den Steigbügel geholfen oder einen erfahrenen Kollegen bereichert und weiter gebracht hat.

Welche Erfahrungen aus Ihrem Radioalltag sind aus heutiger Sicht unverzichtbar für Sie?

Meine Zeit im Gründungsteam und die ersten Jahre bei 104.6 RTL Anfang der 90er. Ich habe unglaublich viel in dieser Zeit gelernt – von tollen Leuten wie Arno Müller oder Dennis Clark, einem Morgenshow-Experten aus den USA, der u.a. für Rick Dees und Ryan Seacrest gearbeitet hat. Dennis war damals für ein ganzes Jahr bei uns in Berlin. Ich war Chefmoderatorin und durfte jeden Tag von ihm lernen – großartig!

Morningshow machen zu dürfen ist für viele Redakteure und Moderatoren die Königsdisziplin. Was ist für Sie das Schwierigste an der Morgenunterhaltung?

Ich liebe Morningshows. Ich liebe es, sie zu launchen, zu coachen und bei der Themenfindung zu helfen! Deswegen ist es für mich persönlich nicht schwierig, täglich die passenden Themen zielgruppengerecht umzusetzen. In meiner Arbeit als Beraterin und Coach merke ich aber, dass sich junge Menschen oft schwer tun, immer die passende Ansprechhaltung zu finden, die Themen zu erkennen und diese locker und authentisch umzusetzen.

Howard Stern erreicht mit seiner Talkradio-Sendung viele Menschen in den USA. In Deutschland gibt es eine solche Show bisher nicht. Trauen sich die Programmmacher zu wenig oder kann ein solches Konzept in Deutschland einfach nicht erfolgreich sein?

Nein – am Mut der Radiomacher liegt es nicht, es gab ja Versuche in den 90ern mit dem Sender „NewsTalk“ in Berlin. Getraut hat man sich das. Wir haben aber eine komplett andere Entertainment Kultur als z.B. die Amerikaner. Um die Frage kurz zu beantworten: wir haben kaum Moderatoren, die das können und der typisch deutsche Hörer ist auch anders gestrickt und gibt als Call-In-Partner deutlich weniger Persönliches von sich preis, als zum Beispiel die Anrufer in Talkradio-Shows in den USA. Und der Deutsche klingt auch nicht so cool, locker und unterhaltend…

Im weitverbreiteten Formatradio sind die Freiräume der Moderatoren oft sehr eingeschränkt. Was halten Sie von der strengen Formatierung von Morning-Shows?

Format wird oft falsch verstanden. Format heißt nichts anderes als Verlässlichkeit. Coca Cola schmeckt auch 24 Stunden am Tag auf der ganzen Welt gleich. Und von meinem Lieblingssender erwarte ich, dass ich ihn 24 Stunden am Tag wiedererkenne.

Zweimal im Jahr wird die Media-Analyse Radio veröffentlicht. War das für Sie immer ein großer Druck, wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Als Programmdirektorin waren es die schlimmsten Tage des Jahres. Um es flapsig auszudrücken: ich bin damit umgegangen, indem ich am Vorabend der Veröffentlichung ein gutes Glas Rotwein getrunken habe… heute als Berater gehe ich locker damit um. Und im Laufe der Jahre lernt man auch, dass zu einer guten MA auch eine gehörige Portion Glück gehört. Und wenn einem das Glück nicht hold ist, ist es das spätestens bei der übernächten MA wieder…

Die Studenten der Fakultät Medien lernen bei 99drei Radio Mittweida praxisnah den Radioalltag kennen. Was erwarten Sie also vom Publikum Ihres Workshops?

Fragen, fragen, fragen. Nutzen Sie die Gelegenheit! Fragen Sie mir ein Loch in den Bauch. Ich freu mich drauf, für mich gibt es nichts Inspirierenderes als junge, neugierige Menschen. Es macht mir Freude, diese mit meiner Erfahrung zu bereichern. Also erwarte ich, dass Sie mir einen schönen Tag bereiten.

VON KEVIN FUNK, medienforum MITTWEIDA vom 08.10.2012