Mit 4 Fragen zur optimalen Playlist

02.07.2020 – Fast 80% des Programms eines Unterhaltungssenders bestehen aus Musik… Logisch, dass die exakte Bestimmung der Musikfarbe und die daraus folgende Bestückung der Playlist die Basis für den Erfolg eines Senders ausmacht.

Wann immer wir in Musikredaktionen und Programmchef-Runden über Rotationen, Musiktests und aktuelle Playlists diskutieren, führen uns folgende Fragen zum optimalen Produkt.

1. Was GENAU ist mein Kernsound?
Dafür genügt es nicht, zum Beispiel „aktuelle Hits“ als Kernsound zu definieren, oder „80er“. Denn zwischen den Hits von Capital Bra, Beyoncé, Dua Lipa und Johannes Oerding liegen Welten und damit unterschiedliche Zielgruppen. Dasselbe gilt für 80er von ABBA und AC/DC, Boney M. und Bryan Adams.

Alleine den neuen Track von Beyoncé zusammen mit der aktuellen Single von Johannes Oerding zu spielen, ist schon ein Spagat, der vermutlich immer eine Zielgruppe „weg sendet“. Deshalb fragen Sie sich:

2. Wofür wird „mein“ Sender eingeschaltet? Was erwarten unsere Hörer von diesem Sender?
Wenn ein Sender vor allen Dingen für rhythmische Popmusik eingeschaltet wird, könnte es kontraproduktiv sein, Max Giesinger zu spielen. Umgekehrt, wenn ein Sender für konservativen Pop eingeschaltet wird, könnte es schaden, „Black Parade“ von Beyoncé zu spielen.

Sie spielen dann Musik gegen die Erwartungen ihrer Hörer. Kann das hilfreich für Ihren Erfolg sein?

3. Welcher Sound zahlt auf mein Produkt ein?
Kennen Sie das? Sie hören im Autoradio einen Sender. Dann kommt ein Song, über dessen Existenz auf DIESEM Sender sie sich so wundern, dass sie nochmal genau hinschauen und prüfen, welchen Sender sie tatsächlich hören. Das Hitradio oder den Soft AC Sender? Sie haben diesen Song schlicht dort nicht erwartet, sondern z.B. beim direkten Wettbewerb.

Siehe Punkt 2: Wird Sender A über Jahre hinweg zum Beispiel mit rhythmischer Popmusik assoziiert und Sender B im selben Markt zum Beispiel mit konservativem Pop inkl. Deutsch Pop, ist es für Sender A garantiert kontraproduktiv, plötzlich Deutsch Pop mit in seine Playlist aufzunehmen. Das gilt auch, wenn ein Song gut testet…es geht dabei ja nicht um diesen einzelnen Song, sondern um das „akustische Bild“, das dieser Song verfälscht.

4. Welche Sounds sollten „mein“ Sender unbedingt meiden?
Nicht jeder Hit von heute ist mit jedem anderen Hit von heute kompatibel  – logo. Insofern ergeben sich viele „No Gos“ fast von selbst.

Und wir Programm-Macher wissen: es gibt eine Menge Sounds, die in der einen oder anderen Zielgruppe stark polarisieren. Deutschpop z.B. ist nur schwer über die Geschlechter kompatibel…Männer z.B. sind eher seltener Fans von Philipp Dittberner…  dasselbe gilt für Rap (auch wenn viele Rapsongs im Refrain als Pop daher kommen, bleiben es doch Rapsongs) oder den neuen progressiven deutschen Pop von Bands wie Gestört Aber Geil oder Bausa. Sich hier einmal die Mühe zu machen und die jeweiligen No-Go-Sounds für den eigenen Sender ganz konkret zu beschreiben und abzugrenzen, wird sich mittelfristig auszahlen.

Und wenn Sie all diese Fragen für Ihren Sender einmal beantwortet haben, bleiben Sie bei Ihrer Linie und denken Sie immer daran:
was Sie nicht spielen, kann Ihnen nicht schaden.

Ihre
Yvonne Malak

Erschienen am 02. Juli 2020 auf www.radiowoche.de.