Die Kunst des perfekten Morningshow-Breaks

01.10.2018 – Kennen Sie (als PD, Morgenshowredakteur, Producer, Kollege) folgende Situation: eine tolle Idee versagt on air. Super ausgedacht, schwach umgesetzt. Zwischen „Ausdenken“ und „Umsetzen“ liegt ein Schritt, der oft unterschätzt wird: den Break und seinen Sound im Detail vorzubereiten. Zur optimalen Vorbereitung eines Breaks gehört nämlich deutlich mehr, als sich den Inhalt zu überlegen. Auch das Setting des Breaks will geplant sein.

  • Schritt Nummer 1:
    wer fliegt die Geschichte ein? An wem und welchem Charaktermerkmal bzw. Detail wird sie aufgehängt?
  • Schritt Nummer 2:
    wer baut wem die Showtreppe?
  • Schritt Nummer 3:
    wer hat welche Aufgabe in diesem Break? Oder muss noch jemand dazugeholt werden, z.B. der Newsredakteur, der zu einer Geschichte über Haushaltsfaule Ehemänner beitragen kann, dass es bei ihm Zuhause genau andersrum ist und er den gesamten Haushalt schmeißt? Bei einer Dreierkonstellation: sind alle an dem Break beteiligt oder nur zwei Moderatoren? Nur wer einen weiteren Dreh, einen neuen Aspekt zum Thema beizutragen hat, hat auch etwa innerhalb des Themas zu suchen. An dieser Stelle sollte auch entschieden werden, ob es eine klassisches Erzähler-Zuhörer-Setting gibt, ob es einen, zwei oder mehr Zuhörer in der Geschichte gibt und in welcher Dimension des Raumes sich diese bewegen (z.B. direkt am Mikrofon, etwas entfernt, weit entfernt). Ich mag das Erzähler-Zuhörer-Setting, weil es jeden Break, jeden Inhalt lebendiger macht. Ein konkretes Beispiel: eine deutsche Morgenshow hatte Starklatsch als Benchmark. Die weibliche Moderatorin der Show hat den Klatsch innerhalb einer Verpackung vorgelesen, fertig. Langweilig! Denn bei dieser Art der Aufbereitung präsentiert sie nicht mehr als Fakten und Daten, die jeder andere Sender genauso aufbereiten kann.
    Lebendig wurde diese Benchmark erst, als wir sie in ein Erzähler-Zuhörer-Setting verpackt haben. Die Moderatorin erzählt ihren beiden männlichen Kollegen die Geschichten aus ihrer Sicht, mit ihrem Draufblick. Die Männer fragen nach oder geben Kommentare ab. So wird aus den Fakten „Donald Trump hatte Sex mit einer Porno-Darstellerin“ eine Geschichte, die so („stellt euch vor: ungeschützten Sex“/ „Melania tut mir echt leid“) nur in dieser Show stattfinden konnte. Der amerikanische Consultant Tracy Johnson schreibt dazu in seinem Buch Morning Radio Revisited: „Content is just data, until personality make it come alive“. Das Lebendigwerden beginnt bereits mit der Vorbereitung des Settings. Und es ist sicher für jeden einleuchtend, dass eine Unterhaltung über Donald Trumps Fremdgehen lebendiger klingt als das Vorlesen einer entsprechenden Meldung. Eine Morgenshow wird ja oft auch mit einer familiären Runde am Frühstückstisch verglichen („Das ist wie mit Freunden beim Essen zu sitzen“) und beim Essen mit Freunden laufen Geschichten genauso ab. Einer ist (meistens) der Erzähler, ein anderer ein eher stiller Zuhörer mit leisen „Ohs“ und „Ahs“, ein dritter vielleicht der aktive Zuhörer mit Nachfragen oder eigenen Kommentaren zum Thema. Dazu kommt, dass man beim bewussten Erzählen viel eher Begriffe und Satzbau aus der natürlichen Kommunikation übernimmt als beim Vorlesen von Texten. Schon allein deshalb schlägt ein Erzähler-Zuhörer-Setting jedes Fakten-Vorlesen.
  • Schritt Nummer 4 (am häufigsten unterschätzt)
    wie gestalten wir das Ende des Breaks? Standards für einen guten Schluss sind:
    – Gag
    – Lebensweisheit dazu
    – Schlussfolgerung aus der Geschichte (etwas dazugelernt)
    – evtl. Experten O-Ton, der eine offene Frage auflöst

Vom amerikanischen Morgenshow Coach Steve Reynolds habe ich gelernt: Hörer erinnern sich nicht an die Themen, die du besprichst. Sie erinnern sich daran, WIE du die Themen umgesetzt hast. Das ist die Power der unterschiedlichen Sichtweisen.

In diesem Sinne: ich freue mich, wenn ich Sie für Ihre Sichtweisen auf die Breaks der nächsten Show inspirieren konnte.

Ihre
Yvonne Malak

Erschienen am 01. Oktober 2018 auf www.radiowoche.de.