Die „Bunte Meldung“ im Jahr 2018…

01.11.2018 – ist – um es kurz zu machen – ein Relikt aus der Vor-Internet-Zeit. „Bunte Meldungen“ 1:1 nachzuerzählen ist im Jahr 2018 wirklich von Vorgestern.

Sylvie Meis hat einen Neuen? Brigitte Nielsen wird mit 54 noch mal Mutter? Die Bahntickets sollen zum Fahrplanwechsel wieder teurer werden? In Der Höhle der Löwen gab es eine bahnbrechende neue Erfindung?

Die Chance, dass der angesprochene Hörer, diese Geschichte bereits kennt, ist heutzutage ziemlich groß: Facebook, Instagram, Twitter, BILD.DE, die Apps von Bunte, Gala, n-tv, Focus, SPON, tagesschau.de, etc. – sie alle haben die entsprechenden Geschichten längst verbreitet. Die klassische bunte Meldung ist im Jahr 2018 nichts weiter als das (langweilige) Wiederkäuen von bereits verbreiteten, also bereits bekannten Fakten.

Dennoch können diese Geschichten, diese „Bunten Meldungen“, Sinn machen – wenn mehr daraus gemacht wird, als das Nacherzählen von Fakten, die jedes Medium verbreiten kann (und die einem nicht unbeachtlich großen Teil der Hörer schon bekannt sind). Wenn sie nur der Aufhänger für ein „Mehr“ sind. Was könnte dieses „Mehr“ sein?

Was könnte dieses „Mehr“ sein?

  • Das Finden eines eigenen Weiterdrehs.
  • Das kurze (!) Abbilden der „CI des Tages“ (z.B. im Rahmen eines Musicsells).
  • Die Kommunikation eines Charaktermerkmals durch einen persönlichen Draufblick und damit Spiegeln des Lebens der Hörer.
  • Die Entstehung eines spannenden Konflikts in einer Doppel- oder Team- Moderation und damit Reibung, Spannung, Friktion und alles, was zu einer guten Geschichte gehört.

Beispiele:

  • Eine Moderatorin, die selbst einen Sohn im Teenie- Alter hat, betrachtet das Männerkarussell von Sylvie Meis aus der Sicht des Kindes oder erzählt, wie schwierig es ist, als alleinerziehende Mutter Dates zu haben.
  • Die teurer werdenden Bahntickets werden nur in einem Halbsatz erwähnt, um die „CI des Tages“ abzubilden und führen dann zu einem Musicsell.
  • Ein Moderationsteam hat gegenteilige Ansichten zum Thema „alte Eltern“ und bricht eine spannende Diskussion vom Zaun.
  • Aus der bahnbrechenden Erfindung in DHDL wird ein Weiterdreh mit Umfrage/Call In oder eigenen Beispielen zu „Erfindungen, auf die wir nie wieder verzichten wollen“.

Ihre eigenen Ideen sind sicher besser als diese konstruierten Beispiele, die Ihnen nur zeigen sollen, dass eine „Bunte Meldung“ im Radio heutzutage mehr verlangt als das Nacherzählen von Fakten. Denn Fakten bekommen wir überall. Emotion, persönlichen Draufblick oder einen unterhaltsamen Weiterdreh zu Themen aus unserem eigenen Leben – das kann nach wie vor so „bunt“ nur Radio.

In diesem Sinne: viel Spaß beim Weiterentwickeln der nächsten „Bunten Meldungen“,

Ihre
Yvonne Malak

Erschienen am 01. November 2018 auf www.radiowoche.de.