Corona Showprep

01.04.2021 – Mir dröhnen die Ohren vor lauter „Mittagspausen-Moderationen“, ebenso wie von den Begriffen „Home Office“ und „Feierabend“. Klar „Home Office“, „die Mittagspause“ und „endlich den Computer runterfahren und Feierabend machen“ sind relevante Befindlichkeiten, die eine Menge Menschen derzeit betreffen und abholen und damit deren Leben spiegeln. Das wiederum entspricht dem „Prinzip des Mirroring“ und dieses kann eingesetzt werden, um dem Gegenüber – in unserem Falle dem Hörer – Empathie und Verständnis zu vermitteln. So weit, so gut.

Die Ohren dröhnen mir dennoch….denn anscheinend ist die Kunst des Showprep im Dauer-Lockdown vergessen worden oder reduziert sich auf das einfachste, offensichtlichste. Dabei gibt es auch in unserer aktuellen Situation viel mehr kleine Dinge, die den Tag, die Region und das Leben einer ganz großen Gruppe unserer Hörer spiegeln als die Befindlichkeiten zwischen Computer hochfahren, Mittagspause und Feierabend machen.

Hier zehn Fragen, die ihr euch stellen könnt, um euer Showprep etwas abwechslungsreicher zu gestalten.

  1. Wo werde ich gehört?

Zahnarztpraxis, Wartezimmer, Logistik-Lager, Backstube, Schwesternzimmer, Corona-Testzentrum, LKW, Feuerwache, Physiotherapie-Praxis, Pausenraum im Supermarkt, Orthopädie-Werkstatt… die Liste ist endlos und keiner dieser Hörer ist im „Home Office“…

  1. Und das Ganze mit Lokalbezug: wo arbeiten große Gruppen eurer Hörer, die kein Home Office machen können?

Bei Kärcher in Winnenden, bei Airbus in Finkenwerder, bei Procter and Gamble in Schwalbach…

  1. Was beschäftigt diese Menschen von A wie Airbus-Mitarbeiter bis Z wie Zahntechniker im Labor?

Schichtwechsel, ungeduldige Patienten, Stau auf dem Weg zur Arbeit, schnell irgendwo was zu essen besorgen, der immer gleiche Lieferdienst, die versiffte Kaffeeküche, Überstunden…

  1. Von wo nach wo sind die Autofahrer unterwegs und was behindert, beschäftigt oder erfreut sie?

Null Parkplätze am Corona-Testzentrum, neue Baustelle am Hauptbahnhof, lästige Autobahnbaustelle auf der A 9 ist endlich fertig, am Hafen landet ein Riesenfrachter, Kinder aus der Notbetreuung abholen…

  1. Was bietet meine Stadt/ Region im Lockdown?

Geöffnete Bibliotheken (!), Kindermuseum mit Anmeldung, Onlinekurse der Volkshochschulen, Online Performance des Stadttheaters, frisches Obst aus der Region auf dem Wochenmarkt…

  1. Was kann man in Parks, am See etc. sehen?

Die ersten Forsythien im Stadtpark, Schwäne kehren zurück, Störche haben sich wieder niedergelassen…

  1. Was sieht man Außergewöhnliches, wenn man die Augen offenhält?

Kleine Urban Gardening Projekte im Bezirk X , wo jetzt die Krokusse blühen, ein Schlagloch so groß wie ein LKW Reifen an der Kreuzung Z…

  1. Worüber redet die Stadt/die Region/ das Land?

ÖPNV erhöht die Preise, endlich Angrillen mit der Familie, neuer Test-Drive-In am Flughafen, Benzin so teuer wie schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr…

  1. Was gibt es Neues bei den Streamingdiensten?

Neue Familienfilme auf Disney Plus, neue Serien bei Netflix, neuer Actionfilm bei Amazon Prime? Oder habt ihr einen persönlichen Tipp für ein verregnetes Wochenende?

  1. Welchen Gesprächsstoff bietet das analoge, lineare TV?

Tatort aus der Heimat am Sonntag? Ein Mädchen aus der Region bei GNTM?

Ein Startup aus der Stadt bei HdL?

Und ich bin sicher: euch fallen noch mehr Fragen ein, mit deren Beantwortung ihr das Showprep auch im Lockdown immer wieder abwechslungsreich gestalten könnt, um am Ende so viele Hörer wie möglich immer wieder neu und anders anzusprechen, abzuholen und damit an euch zu binden…siehe „das Prinzip des Mirroring“…

Viel Spaß dabei,

Eure
Yvonne Malak

Erschienen am 01. April 2021 auf www.radiowoche.de.